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Bob: Francesco Friedrich schnappt sich siebten WM-Titel im Zweier-Schlitten

Bob: Francesco Friedrich schnappt sich siebten WM-Titel im Zweier-Schlitten

Altenberg (bsd, hb/07.02.2021) Mit der Entscheidung im Zweierbob der Männer wurde das erste WM-Wochenende im Erzgebirge abgeschlossen.

Schon nach Tag eins hatten Francesco Friedrich (BSC Sachsen Oberbärenburg) und Alexander Schüller (SV Halle) souverän mit 88 Hundertstel Vorsprung auf Johannes Lochner (BC Stuttgart Solitude) und Eric Franke (SC Potsdam) geführt. Nach dem dritten Durchgang vergrößerte sich dieser Vorsprung auf letztlich uneinholbare 1,48 Sekunden. Mit dreimal Start-, dreimal Laufbestzeit ließ der Olympiasieger und WM-Titelverteidiger im SachsenEnergie-Eiskanal Überhaupt nichts anbrennen und keine Zweifel aufkommen, wer hier einmal mehr Gold holen würde. Hansi Lochner schüttelte auch deshalb wieder unzufrieden den Kopf, der Oberbayern schafft es laut eigenen Worten einfach nicht, diese Bahn in den Griff zu bekommen – auf Platz 2 liegend entspricht das freilich „Jammern auf hohem Niveau“.

Spannung pur um Rang 3

Sensationeller Dritter nach Lauf drei waren Hans-Peter Hannighofer und Christian Röder (beide vom BRC Thüringen) – zeitgleich mit dem Schweizer Duo Vogt/Michel. Der deutsche Junioren-Weltmeister von St. Moritz war nach zwei Durchgängen auf Rang 4 gelegen, jetzt befand sich Bronze tatsächlich im absolut machbaren Bereich.

Nichts mehr mit der Medaillen-Vergabe hatten nach 75 Prozent des WM-Bewerbs im Zweier Christoph Hafer (BC Bad Feilnbach) und Christian Hammers (TuS Wiesbaden) zu tun: 2,18 Sekunden Rückstand – Platz 7 – waren zu viel, selbst auf Bronze klaffte bereits fast eine halbe Sekunde. Glimpflich endete zum Glück ein schwerer Sturz des niederländischen Duos De Bruin/Franjic nach dem Kreisel.

Der Weltmeister denkt schon an Peking

Er war nicht aufzuhalten: Francesco Friedrich holte sich 2013 in St. Moritz seinen ersten WM-Titel, nun war es der siebte im Zweier in Folge, der zehnte insgesamt – nach viermal Start- und Lauf-Bestzeit (!) sagte er zufrieden: „Es war nicht so einfach, obwohl die Bedingungen gut waren. Es war sehr kalt, sonst wäre der Startrekord fällig gewesen – so haben wir ihn ,nur‘ ein weiteres Mal eingestellt. Aber wir haben ja vielleicht noch ein paar Jahre, um ihn zu knacken.“ Friedrich ist nun alleiniger WM-Rekordtitel-Inhaber: „Das bedeutet mir schon sehr viel.“ Gleichwohl dachte er in der Stunde des großen Erfolgs bereits an Olympia in Peking 2022.

Hansi Lochner wurde mit Eric Franke einmal mehr Zweiter (+ 2,05), eine WM-Platzierung, die er aus den vergangenen Jahren bestens kennt: „Es nervt schön langsam“, meinte er augenzwinkernd im ZDF-Interview. Ins BSD-Mikrofon sagte der erneute Vize-Weltmeister: „Nein im Ernst, es wird schön langsam langweilig. Wir wissen nicht, wie wir den Franz besiegen könnten – sonst würden wir es ja machen. Im Großen und Ganzen bin ich mit Silber zufrieden. Mit der Fahrweise aber ganz und gar nicht. Es geht mir gegen den Strich, wenn die Trainings gut laufen, ich aber dann in den Rennen hier viermal ,runterstürze‘ und alles nur zur Hälfte so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Im Vierer darf mir das nächste Woche so nicht passieren.“

Hans-Peter Hannighofer und Christian Röder (+ 2,23) lieferten sich noch ein spannendes Finish um Bronze – und holten sich das Edelmetall bei ihrer ersten WM bei den Großen am Ende völlig verdient, und irgendwo auch sensationell. Die Youngster konnten den bis dahin zeitgleichen Schweizern Vogt/Michel noch einiges an Zeit abnehmen. Diese fielen sogar auf Rang 5 (+ 2,63) zurück, weil sie von ihren Landsmännern Friedli/Haas (4./+ 2,45) noch verdrängt wurden. Hannighofer bilanzierte: „Es ist eine verhaltene Freude, die Schmerzen in der Wade (vom zweiten Start / Anm. d. Red.) sind noch da. Ich überlege auch gerade noch, was ich da geschafft habe – darum hüpfe ich hier nicht vor Freude rum.“

Christoph Hafer und Christian Hammers blieben am Ende Siebte (+ 3,04): „Im Groben sind wir zufrieden“, sagte der Pilot aus Bad Feilnbach. „In der Bahn sind wir dabei. Am Start hätten wir uns mehr erhofft. Das, was wir leisten konnten, haben wir geleistet. Wir wissen, woran wir künftig arbeiten müssen.“

Unfassbare Form des Rekordmannes

Bundestrainer René Spies zog natürlich auch ein Fazit: „Besser geht’s natürlich nicht. Angefangen bei Hans-Peter, das war ein Krimi um Bronze, sagenhaft. Seine erste große Bewährungsprobe, da hat er den Schweizer Jungs eiskalt die Schulter gezeigt. Das hätte vor fünf Monaten noch keiner gedacht. Hansi und Franz haben hart gekämpft, denn alle hatten ihre Schwierigkeiten – aber natürlich sensationell performt. Es ist unfassbar, in welcher Form sich Francesco befindet.“

Mit der BMW IBSF Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft geht’s am kommenden Donnerstag, 11. Februar, weiter: Schon um 9 Uhr starten die Skeleton-Damen in ihre WM im SachsenEnergie-Eiskanal von Altenberg.

– Fotos: Viesturs Lacis